Pressemitteilung

Abschließende Presseerklärung des Antifabündnis Niederrhein zu den Protesten am 21.7. in Krefeld

An der Demonstration des Bündnis 21. Juli, in welchem neben Einzelpersonen auch die Gruppen des Antifabündnis Niederrhein organisiert waren, nahmen bis zu 300 Personen teil um gegen den Aufmarsch der Krefelder NPD und gegen den verkürzten und oberflächlichen Antifaschismus der deutschen Zivilgesellschaft und für den Kommunismus zu demonstrieren. Auf Transparenten forderten die TeilnehmerInnen u.a. „Kommunismus? Verdammte Scheisse Ja!“, „Kein Friede mit den Feinden Israels!“ sowie „…dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“. Außerdem führten einige TeilnehmerInnen rote Fahnen, Winkelemente mit der Aufschrift „Antifaschistische Aktion“ und Fahnen des Staates Israel mit. Die jeweils auf den Zwischenkundgebungen gehaltenen Reden beschäftigten sich u.a. mit Neonazistrukturen in Krefeld und mit den gesellschaftlichen Verhältnissen, die Neonazis sowie weit verbreitete Phänomene wie Rassismus, Antisemitismus oder Nationalismus befördern, und forderte als Konsequenz daraus eine radikale Kritik an den herrschenden Verhältnissen.

Markus Roland, Pressesprecher des Antifabündnis Niederrhein, erklärt zum Anliegen der Demonstration und zum Verhältnis zum Krefelder „Bündnis für Toleranz und Demokratie“: „Es war absolut richtig und wichtig sich vom zivilgesellschaftlichen Krefelder Bündnis zu distanzieren und dieses scharf zu kritisieren. Das Krefelder Bürgerbündnis repräsentierte eine Form des Antifaschismus, welcher rein an der Oberfläche verbleibt und nicht über die gesellschaftlichen Verhältnisse sprechen will, welche Nazis hervor bringen.“ Weiter erklärt Roland: „Gerade ein solcher Antifaschismus, der ein besseres Deutschland will und dessen primärer gemeinsamer Nenner es ist aus rein moralischen Reflexen und aus Sorge um den Ruf der Stadt und Deutschlands gegen Nazis zu sein, ist eine Form des modernen deutschen Nationalismus! Denn gerade in der Forderung danach, dass sich möglichst alle gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam gegen Nazis positionieren sollen, wie von der Mehrzahl der Organisatoren des Krefelder „Bündnis für Toleranz und Demokratie“ gefordert, kommt eine Sehnsucht zum Vorschein, die im Kern eine volksgemeinschaftliche ist. Alle in Deutschland lebenden sollen trotz aller Unterschiede und politischer Konflikte zusammenstehen gegen die braunen Störenfriede.“

Ein Großteil der TeilnehmerInnen unserer Demonstration unter dem Motto „Gegen Nazis und Zivilgesellschaft“ fuhren im Anschluss weiter nach Mönchengladbach, um dort direkt gegen den Naziaufmarsch vorzugehen, was in Krefeld aufgrund des massiven Polizeiaufgebotes leider nicht möglich war. Diese wollten sich aber nicht nur direkt den Nazis zuwenden sondern, auch bewusst nicht an der Abschlusskundgebung des Bündnisses „Krefelder für Toleranz und Demokratie“ teilnehmen, welche bekanntlich in Sichtweise der Naziabschlusskundgebung stattfand. Dazu sagte Roland: „Wenn vom Lautsprecherwagen des Bündnis „Krefelder für Toleranz und Demokratie“ jubelnd behauptet wurde, dass sich die TeilnhmerInnen unserer Demonstration letztlich doch der zivilgesellschaftlichen Veranstaltung angeschlossen hätten, so ist dies – was das gros der Leute betrifft – schlichtweg falsch bzw. hatte rein taktische Gründe. So wurden dort z.B. nochmals mehrere hundert kritische Flugblätter verteilt.“

Leider wurden am Rande der zivilgesellschaftlichen Veranstaltung mehrere AntifaschistInnen in Gewahrsam genommen und mindestens eine Person wurde Festgenommen. Dazu erklärt Roland: „Das Vorgehen der Polizei in dieser Situation war vollkommen überzogen. Wir fordern daher die sofortige Einstellung aller Verfahren gegen AntifaschistInnen!“.

Bilanzierend erklärt Roland: „Wir bewerten unsere Demonstration als Erfolg in jeglicher Hinsicht. Es ist uns gelungen eine scharfe Kritik am zivilgesellschaftlichen Anti-Nazigedöns zu formulieren und zu vermitteln, dass Antifaschismus mehr sein muss als begriffs- und ahnungslos gegen Nazis zu sein. Ein konsequenter Antifaschismus muss nämlich auch jene Verhältnisse ins Visier nehmen, welche Nazis hervorbringen, letztlich also allen voran die deutsche Nation und die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Einziger Wehmutstropfen war, dass es uns aufgrund des massiven Polizeiaufgebotes nicht möglich war direkt gegen Nazis vorzugehen und ihnen den Tag gründlich zu versauen.“

Mit freundlichen Grüßen,
Markus Roland [Pressesprecher des Antifabündnis Niederrhein]

Vorabenddemo???

wir haben heute ein paar mails zum thema vorabenddemo bekommen, dazu sei gesagt wir sind nicht die initiatoren der vorabenddemo und wir stehen auch nicht mit ebendiesen in kontakt, daher wissen wir praktisch gar nix darüber

bis samstag um 10.30

Karten

Hier könnt ihr die Karten runterladen.

Wann? Wo?

Unsere Demo startet an der Ecke Südwall/Peterstrasse nahe Hauptbahnhof um 10.30 Uhr.

Infoveranstaltung

Infoveranstaltung über Neonazimus in NRW, den Naziaufmarsch am 21.7. und die Gegenaktivitäten des „Bündnis 21.7.“

Am 18.7. findet ab 19.00 eine Infoveranstaltung über Neonazimus in NRW und den Naziaufmarsch am 21.7. in der „Fabrik Heerder“, Virchowstraße 130, 47805 Krefeld, statt. VerterterInnen des „Bündnis 21.7.“ werden eingangs über den in Krefeld von NPD und „Freien Kamerdschaften“ angekündigten Aufmarsch und die geplanten Gegenaktivitäten informieren. Des weiteren werden sie erläutern warum sie sich nicht am Bündnis „Krefelder für Toleranz und Demokratie“ beteiligen, und statt dessen zu einer eigenständigen Demonstration unter dem Motto „Gegen Nazis und Zivilgesellschaft“ aufrufen. Im Anschluss daran werden ReferentInnen des Antirassistisches Bildungsforum Rheinland ausführlich über Neonazistrukturen in Nordrhein-Westfalen informieren. Hier der Ankündigungstext für den zweiten Teil der Veranstaltung: „Neonazimus auf dem Vormarsch – Auch in NRW?“ Das Bild des Neonazismus hat sich verändert, die Kleinstparteien der frühen 90er Jahre gibt es nicht mehr. Die NPD ist wieder erstarkt und sogar in zwei Länderparlamenten und in über 100 Lokalparlamenten – auch in NRW – vertreten. Neonazistische Basisgruppen, so genannte Freie Kameradschaften, bundesweit vernetzt, schaffen es, ihre „Mitglieder“ viel stärker zubinden als die bisherigen Parteien und arbeiten zum Teil eng mit der NPD zusammen. Mittels Musik mit rassistischen, zu Mord und Totschlag aufrufenden Texten werden Jugendliche zudem heute gezielter angesprochen und an das Netzwerk des Neonazismus heran geführt. Der multimediale Vortrag des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland beschreibt die Entwicklung und Strategien des Neonazismus und gibt einen Einblick in neonazistische Strukturen und Aktivitäten in NRW. Mi., 18.7., 19.00 Uhr, „Fabrik Heerder“, Virchowstraße 130, 47805 Krefeld
Eintritt frei

Aufruf

Am 21. Juli demonstrieren zum zweiten Mal in diesem Jahr Nazis in Krefeld. Unter dem Motto „Meinungsfreiheit auch für Deutsche“ will sich die lokale NPD und deren FreundInnen bei den Deutschen beliebt machen. Bei einigen werden die Parolen der NPD auf offene Ohren stoßen, viele andere jedoch werden sich von den Nazis distanzieren.

Haben die Deutschen also aus der Geschichte gelernt und konsequent mit jenen Verhältnissen gebrochen, die den Nationalsozialismus möglich machten? Ist Deutschland, abgesehen von ein paar brauen Ewiggestrigen, kollektiv antifaschistisch geworden? Oder mag man die Nazis am Ende bloß deshalb nicht, weil diese die Selbstwahrnehmung als offene Zivilgesellschaft durcheinander bringen und darüber hinaus den mühsam aufgebauten Ruf Deutschlands einer geläuterten Vorzeige-Republik in der Welt beschmutzen?

Unter den Begriff „Antifaschismus“ kann man viel fassen. Das zeigt nicht zuletzt der so genannte Antifa-Sommer im Jahr 2000. Plötzlich fanden sich große Teile der Gesellschaft in dem von Gerhard Schröder ausgerufenen „Aufstand der Anständigen“ wieder: die gesamte Zivilgesellschaft eine antifaschistische Aktion. Natürlich ist es nicht falsch Nazis zu bekämpfen – auf welche Art und Weise auch immer – doch kann und darf sich ein wirklicher Antifaschismus nicht im bloßen „Gegen-Nazis-Sein“ erschöpfen. Antifaschismus muss auch bedeuten, jene Verhältnisse umzuwerfen, die Auschwitz erst möglich machten. Verhältnisse also, in denen Denkformen produziert werden, die in gesellschaftlichen und ökonomischen Krisen schnell in einen mörderischen Wahn umschlagen können.

Let`s talk about capitalism

Die Gesellschaft in der wir leben ist eine kapitalistische. Staat und Kapital durchdringen und formen alle Bereiche des menschlichen Lebens bis ins Kleinste. Deshalb ist es notwenig zu verstehen wie die kapitalistische Produktionsweise funktioniert und warum sie auf einem „notwendig falschen Bewusstsein“ (Marx) beruht und immer wieder Verblendungszusammenhänge hervor bringt.

Sämtliche im Kapitalismus produzierten Güter werden einzig zum Zweck des Verkaufs hergestellt und nehmen somit die Form von Waren an. Eine solche Produktionsform unterwirft letztlich alles dem Tauschprinzip und erhebt die Warenförmigkeit zum einzig gültigen Prinzip der Gesellschaft. Unter diesen Bedingungen wird auch Arbeitskraft zu einer Ware, die verkauft und gekauft werden kann. Damit aber ein umfassender Tausch von unterschiedlichsten Waren, wie Computer, Vollkornbrot oder eben Arbeitskraft, stattfinden kann, muss es eine Ware geben gegen die sich alle übrigen Waren tauschen lassen: das Geld. Es drückt den jeweiligen Wert der Waren aus und wird zum allgemeinen Tauschäquivalent, durch welches jede Ware gegen eine beliebige andere Ware getauscht werden kann.

Menschen zählen im Kapitalismus nur als Ware Arbeitskraft, welche sich das System notwendigerweise zu seiner Erhaltung und Ausweitung aneignen muss. Der Zwang, sich im Verwertungsprozess eingliedern und unterordnen zu müssen, erzeugt bei den dem Kapitalismus unterworfenen Menschen den Glauben, dass dies zum eigenen Wohl geschehe und unumgänglich sei. Das kapitalistische System ist zwar vom Menschen selbst gemacht, wird jedoch von den darin Lebenden als eine Art Naturgesetz wahrgenommen. Die Ideologie der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft behauptet deshalb nur folgerichtig dass der Mensch des Menschen Wolf sei, welcher mittels Gewalt bzw. Gewaltandrohung des Staates im Zaum gehalten werden müsse, weil sich ansonsten die Menschen, über kurz oder lang, gegenseitig den Schädel einschlagen würden. Der Staat wird also als Garant der Zivilisation betrachtet. Das die primäre Funktion des Staates in einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft darin besteht den Warentausch unter freien und gleichen VertragspartnerInnen zu überwachen und zu garantieren, weil sich sonst kein Kapital bilden kann, fällt dabei unter den Tisch und wird ideologisch er- bzw. verklärt. Das Vorhandensein von Kapital wiederum ist die Vorraussetzung für das Funktionieren eines Staates. Denn nur wenn der Staat über genügend Geld verfügt, aus Steuern und Abgaben – welche der Staat von seinen BürgerInnen bei Androhung von Strafen verlangt – kann er seine Funktionen wahrnehmen. Staat und Kapital bedingen sich also gegenseitig.

Die vermeintliche „Naturhaftigkeit“ von Staat und Kapital, Ware und Wert, Tauschprinzip und Recht wird von den kapitalistischen Subjekten nicht hinterfragt. Im Gegenteil, die von der kapitalistischen Gesellschaft hervorgebrachten Denkformen werden beständig reproduziert, schlimmer noch, sie bringen immer wieder aufs neue Verblendungszusammenhänge hervor. Die der Herrschaft von Staat und Kapital unterworfenen Menschen verstehen nämlich „notweniger Weise“ die Funktionsweise der kapitalistischen Produktionsvorgänge nicht, weil sie in fetischisierten Denkformen (z.B. dem Warenfetisch) befangen sind. Darüber hinaus werden diverse sozial-ökonomische Phänomene mehr oder minder falsch interpretiert, weil die Menschen versuchen sich gesellschaftliche Vorgänge – welche vermeintlich „hinter ihrem Rücken“ ablaufen – zu erklären, was häufig fatale Folgen hat. So sprechen z.B. viele Menschen dem „Finanzsektor“ und der Zirkulationssphäre des Kapitals Eigenschaften zu, die diese nicht besitzen. Zu den am meisten verklärten Institutionen zählen Banken und Börsen. Viele der dem Kapitalismus unterworfenen Subjekte begreifen nicht, dass an der Börse lediglich der bereits produzierte oder zu erwartende Mehrwert aufgeteilt wird. Sie glauben stattdessen die Börse selbst agiere und würde – scheinbar von sich aus – auf Rätselhafte weise Mehrwert schaffen. Sie sprechen Menschen die im Finanzsektor arbeiten Fähigkeiten zu, die diese nicht besitzen, und entwickeln ein derartiges Misstrauen in die genannten Institutionen, das nicht selten in Hass umschlägt, weil sie glauben dort würden wundersame Dinge passieren, in den Banken und Börsen säßen gar diejenigen welche den Kapitalismus „steuern“ würden, die für das eigene Elend und die Armut weltweit verantwortlich wären. Das System kapitalistischer Herrschaft erscheint in einer solchen falschen Betrachtungsweise als rein personelles und vom konkreten Willen einiger weniger handelnder bzw. ausführender Subjekte bestimmtes. Der Kapitalismus ist aber ein abstraktes, apersonales Gesellschaftssystem. Insofern sind „die Kapitalisten“ bloße Ausdrucksformen gesellschaftlicher Verhältnisse, in welchen sich Menschen als Eigentümer unterschiedlichster Waren (z.B. der Ware Arbeitskraft und der Ware Produktionsmittel) gegenübertreten, sie sind auch nur austauschbare Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse.

Der Antikapitalismus der Nazis

Die Menschen die im Kapitalismus vegetieren müssen neigen also dazu ökonomische und gesellschaftliche Prozesse zu personalisieren. Der Antikapitalismus der NPD knüpft an genau jene weit verbreiteten Denkformen an. In diesen zerfällt der Kapitalismus in einen guten, produktiven Bereich, wie z.B. Handwerk oder Industrie, und in einen bösen, den des parasitären, raffenden Finanzkapitals. Wird das „Spekulantentum“, welches für so manches Übel in der kapitalistischen Gesellschaft verantwortlich sein soll, mit „dem Juden“ identifiziert, wird diese Vorstellung manifest antisemitisch. In dieser von den Nazis vorgenommenen Personalisierung zeigt sich die ideologische Verkennung der Struktur kapitalistischer Ausbeutung. Während die Gewinne des „spekulierenden Geldkapitalisten“ – welche von Antisemiten mit „dem Juden“ identifiziert werden – als Bereicherung auf Kosten anderer erscheinen, scheint allein der Unternehmergewinn „Frucht ehrlicher, deutscher Arbeit“ zu sein. „Die Zinsnahme“ wird einerseits dem „produktiven“, „schaffenden“ Kapital gegenüber gestellt und moralisch kritisiert, als Einkommen das nicht auf eigener Leistung beruhe, andererseits wird die Existenz des Zinses zur Ursache aller gesellschaftlichen Übel erklärt, und zwar nicht nur von Nazis, sondern auch von „Kapitalismuskritikern“ islamitischer Provenienz oder von den „Leitfiguren“ der deutschen Linken wie etwa Oskar Lafontaine.

Die Identifizierung von Juden mit Geld hat eine lange Tradition im europäischen Antisemitismus, dies ist einer der Gründe warum in der Logik der AntisemitInnen gerade die Juden für alles schlechte in der Welt verantwortlich und aufgrund ihrer Abstammung „schlecht“ und „parasitär“ sein sollen. Solcherlei wahnhafte Vorstellungen führten zur Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden durch die deutsche Volksgemeinschaft in den Jahren 1939 bis 1945. Der Antisemitismus ist eine konformistische Revolte gegen das was – nicht nur – von Nazis für Kapitalismus gehalten wird, ohne, dass die Nazis das, was den Kapitalismus ausmacht, begriffen hätten oder diesen gar abschaffen wollen würden.

Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus – nicht nur ein Problem der Nazis, ein Problem der Deutschen.

Weitere vom Kapitalismus hervorgebrachte und geformte Verblendungszusammenhänge sind der moderne Rassismus und der Nationalismus. Wenn die Nazis von NPD und Co. am 21. Juli gegen eine vermeintliche „Inländerfeindlichkeit“ demonstrieren wollen setzen sie voraus, dass die Unterscheidung von Menschen in „In“– und „Ausländer“ etwas Natürliches sei. Menschen werden qua ihrer „Abstammung“, Hautfarbe oder Religionsangehörigkeit bestimmte, angeblich biologisch oder kulturell vererbte, unveränderliche Eigenschaften zugesprochen. Die Abgrenzung gegen die „Untermenschen“, die nicht zur „deutsch-nordischen Herrenrasse“ gehörenden Menschen findet im Rassismus ihren Ausdruck. Gegen die vermeintlichen „Übermenschen“, die „Verschworenen“ und „Parasitären“ richtet sich der Antisemitismus.

Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus sind aufs engste miteinander verbunden. Alle genannten Phänomene setzen voraus das es eine Gruppe der „Eigenen“ und eine der „Anderen“ gibt. NationalistInnen identifizieren sich mit allen die zur herbeihalluzinierten „eigenen“ Gruppe gehören. Die Nation ist die Organisationsform der bürgerlichen Gesellschaft, die Einheit der zu einem Staat gehörenden Subjekte, also die „eigene“ Gruppe. Sie ist ein Zwangszusammenhang der sich verselbständigt und gegen das Individuum wendet, welches als Subjekt nur noch NationalstaatsbürgerIn sein soll. In der Nation identifiziert sich das Individuum mit der Allgemeinheit, Nationalismus muss deshalb als zum Scheitern verurteilter Versuch der dem Kapitalismus unterworfenen Menschen verstanden werden ihre Ohnmacht und Verblendung zu überwinden. Wenn man weiß oder ahnt, dass das Leben nicht das ist was es sein könnte, wenn man in der ständigen und notwenigen Konkurrenz in der man im Kapitalismus steht untergeht oder davor Angst hat unterzugehen, dann hat man immer noch das wärmende Kollektiv der Nation welches einem Selbstbewusstsein und Distinktion verschafft. Die nationalistischen Subjekte gaukeln sich vor besser oder zumindest anders zu sein als „die Ausländer“, „die Juden“ oder „die Schwarzen“. Mehr noch erweist sich die nationale Identität als die maßgebliche Form in der Individuen in das System kapitalistischer Ausbeutung integriert werden, denn als Nation formiert sich der gesellschaftliche Zwangszusammenhang Bevölkerungen als Konkurrenzsubjekt im Weltmaßstab, als „Standortgemeinschaft“.

Deutschland.. ein Schrecken ohne Ende

Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus sind Phänomene die nicht nur bei Nazis anzutreffen sind, diese denken sie lediglich am radikalsten und mörderischsten zu Ende. Die Deutschen im allgemeinen berufen sich logischerweise auf ihre Nation – sonst würden sie sich nicht als Deutsche definieren – auf jenen Zwangszusammenhang in dem sie es sich in den letzten ca. Zweihundertjahren – seit dem gibt es die Idee einer deutschen Nation wie wir sie heute kennen nämlich erst – eingerichtet haben. Als Kollektiv, als welches sie sich verstehen und als welches sie auch konkret handeln, haben sie einiges „vollbracht“. Sei es der erste Weltkrieg, in dessen Vorlauf man keine Parteien sondern nur noch Deutsche kannte, sei es die Shoa welche 6 Millionen Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma das Leben kostete, sei es der Vernichtungskrieg mit dem die Deutschen zwischen 1939 und 1945 Europa überzogen und dem knapp 50 Millionen Menschen – vor allem in Osteuropa – zum Opfer fielen, oder sei es das „Wirtschaftwunder“, das maßgeblich auf den Gewinnen aus Zwangs- bzw. Sklavenarbeit während des NS-Regimes und „arisiertem“ bzw. geraubtem Vermögen beruhte, welches den gegenwärtigen Reichtum der Deutschen erst ermöglichte. Oder sei es der Mauerfall der die Vorraussetzung dafür schuf das Deutschland wieder eine Weltmacht wurde, welche „nicht trotz sonder wegen Auschwitz“(Joschka Fischer) Kriege führt und zu Zeiten von Fußball-weltmeisterschaften vermeintlich friedlich und weltoffen Fahnen schwenkt, während rassistische und nationalistische Übergriffe medial nahezu totgeschwiegen werden. Denn in einem sind sich die Deutschen sicher, sie sind anders als vor 60 Jahren, sie sind geläutert vom Nationalsozialismus.

In einem haben sie ausnahmsweise mal Recht, die Deutschen sind heute gewiss anders als vor 60 Jahren, eine baldige Machtübernahme traditioneller NationalsozialistInnen ist derzeit nicht in Sicht. Doch über das Fortleben nationalsozialistischer Ideologiefragmente in der Demokratie wird geschwiegen, oder diese werden schlichtweg als nicht dem Nationalsozialismus bzw. den volksgemeinschaftlichen Denk- und Oragnisationsformen entsprungen begriffen. So muss es nicht verwundern, dass Deutschland anno 2007 die in den meisten Teilen Westdeutschlands gesellschaftlich marginalisierten Nazigrüppchen sogar braucht um gegen diese Protestieren zu können, um sich selbst darüber zu versichern das man heutzutage antifaschistisch gesinnt sei.

Doch Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus sind aus dem vermeintlich geläuterten Deutschland bei weitem nicht verschwunden und auch nicht so harmlos geworden wie man sich in deutschen Landen gerne einredet, wie tagtägliche Übergriffe von Neonazis und über 120 von Nazis, AntisemitInnen und RassistInnen seit der sog. „Wiedervereinigung“ begangene Morde zeigen. Der Antisemitismus und der Rassismus des deutschen Mainstreams, der gemäßigten Rechten und eines Großteils der weniger gemäßigten Linken nimmt heute andere Formen an als bei den deutsch-völkischen TraditionalistInnen, den Nazis. Der Antisemitismus z.B. geriert sich heute als „politisch korrekter“ Antizionismus und als Kritik am Staat Israel und seiner vermeintlich „rassistisch-kolonialistischen“ Politik. Der Rassismus wird heute primär in der Forderung nach Unterordnung unter eine repressive deutsch-nationale „Leitkultur“, sowie im vermeintlich fremdenfreundlichen kulturalistischen Multikulturalismus sichtbar. Doch auch die klassischen Ressentiments gegenüber Jüdinnen und Juden und gegenüber „Fremden“ erfreuen sich einer größeren Verbreitung als man es sich in deutschen Landen gerne eingesteht, wie diverse wissenschaftliche Untersuchungen Jahr um Jahr beweisen.

Von all dem will das antifaschistisch gewordenen Deutschland nichts hören und nichts sehen. Ganz im Gegenteil, Deutschland muss bei Strafe des eigenen Untergangs davon Schweigen. Denn wenn aus der Existenz von Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus, und daraus das die kapitalistische Produktionsweise genau diese Denkformen mit hervorbringt, die richtige Konsequenz gezogen würde, dann müsste aus dieser folgen Staat, Nation und Kapital auf den Müllhaufen der Geschichte zu befördern. Das die Deutschen dies nicht wollen liegt in der Natur der Sache. Denn wenn es Staat, Nation und Kapital nicht mehr gäbe, gäbe es auch das ideologische Kollektiv Deutschland nicht mehr. Unser Anliegen ist es deshalb am 21.07. nicht nur der NPD und Co. den Tag zu versauen und ihnen die Verbreitung ihrer nationalsozialistischen Propaganda zu verunmöglichen, unser Ziel ist es auch zum Ausdruck zu bringen, dass Antifaschismus mehr sein muss als gegen Nazis und für ein besseres Deutschland zu sein. Denn auch und gerade ein „besseres“ Deutschland verunmöglicht die Möglichkeit einer wahrhaft befreiten Gesellschaft. Einer Gesellschaft jenseits von Tausch, Warenform und Recht, einer Staaten- und Klassenlose Weltgesellschaft in der die Individuen ihre Potentiale entfalten und ein Leben in Luxus und Selbstbestimmtheit genießen könnten.

Den Naziaufmarsch in Krefeld verhindern – Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus bekämpfen!

Hinfort mit Deutschland, her mit dem Kommunismus!

Antifademo in Krefeld

Am 21.7.2007 wollen Nazis unter dem Motto „Gegen Inländerdiskriminierung – Meinungsfreiheit auch für Deutsche“ auf einer schon fast lächerlich wirkenden Route von ca. 1,5 Kilometern durch Krefeld marschieren. Diesen Anlass nutzt ein Bürgerbündnis, um mit einer eigenen Demonstration ein Zeichen gegen diesen Naziaufmarsch zu setzen. Dabei wird aber nicht etwa Kritik an den bestehenden Verhältnissen geübt, die eine essentielle Grundlage für Phänomene wie den Faschismus bieten, sondern lediglich zwischen „guten Deutschen“, eben jenen die sich zur Demokratie der BRD bekennen, und „schlechten Deutschen“, den Neo-Nazis unterschieden. Es besteht ein Unterschied zwischen diesen Gruppen, kein Zweifel. Doch dass Antisemitismus und Rassismus tief in der deutschen Gesellschaft verwurzelt sind und somit eine Kritik der Neo-Nazis auch immer eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen bedeuten muss, sehen auch die Demokraten nicht.

Es gibt kein „gutes Deutschland“, denn Deutschland ist und bleibt das Problem.

Also kommt zur Antifademo, Ort und Zeit werden in naher Zukunft veröffentlicht.

Kontakt/Domains

Kontakt: keinbockaufeuch@googlemail.com

HP-Domains: www.keinbockaufeuch.dl.am
www.keinbockaufeuch.tk
keinbockaufeuch.blogsport.de